Presseerklärung der YXK zu Repressionen an den Universitäten

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Presseerklärung zu den zunehmenden Repressionen an den Universitäten gegen den Verband der Studierenden aus Kurdistan.

NACHRICHTENZENTRUM – ROJACIWAN

Presseerklärung zu den zunehmenden Repressionen an den Universitäten gegen den Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK):

“Das Hauptziel unseres Verbandes der Studierenden aus Kurdistan ist es der studentisch-universitären und allgemeinen Öffentlichkeit in Deutschland ein Verständnis über die kurdische Frage und die mit ihr zusammenhängenden Konflikte zu ermöglichen. Wir möchten ein Bewusstsein für die Vielzahl von Kulturen und Religionen, sowie gesellschaftlichen und sozialpolitischen Probleme im Nahen Osten schaffen. Unser Anliegen ist es die Freundschaft und Zusammenarbeit der Völker sowohl in Kurdistan als auch hier in Deutschland zu fördern. Unsere freiheitliche Perspektive wollen wir durch Vorträge, Diskussionen, Filmvorführungen und Lesungen in die Gesellschaft tragen.

An mehreren Universitäten wurden unsere legitimen studentischen Initiativen die Möglichkeiten genommen sich frei zu äußern. So wurden alleine im Juli an der Universität Kassel, Ruhr-Universität Bochum und der Universität Stuttgart Zutritt zu Räumlichkeiten verweigert. Es war uns nicht möglich Filme oder auch das Buch „Zivilisation und Wahrheit“ von Abdullah Öcalan vorzustellen. Öcalan verbindet Analysen zu den Themen der Ökologie, des Feminismus, des Kapitalismus, der Philosophie und Physik, um Antworten auf die Probleme unserer Zeit zu geben. Eine Zensur dieser Veranstaltungen heißt damit auch eine Vielzahl von Denkern von Friedrich Nietzsche, Michel Foucault, Immanuel Wallerstein, Murray Bookchin, Maria Mies bis hin zu Werner Heisenberg zu zensieren. Wir sehen aber die Universitäten nach dem Humboldtsche Bildungsideal klar als Ort der ganzheitlichen Bildung und betonen wie Humboldt damals, das der Freiheit Gefahr droht, wenn Institutionen anfangen einen gewissen Geist anzunehmen und andere zu ersticken. Es muss möglich sein kritische Diskurse zu führen, um die Reflektionsfähigkeit und Moralität junger Menschen fördern. Wenn über legitimen Veranstaltungen, die auf dem Boden des Grundrechts stehen und Ausdruck freier Meinungsäußerung sind, ein Mantel der Illegalität gebreitet wird, dann verletzen die Universitäten ihre historisch ursprünglichsten Bildungsideale. Die Blockierung von Räumlichkeiten folgt oft vorausgehenden Beschwerden AKP naher Lobbyorganisationen oder einzelner oftmals türkisch nationalistischer Studierender. Ganze Gruppen wie Bozkurtlar („Graue Wölfe“, Jugendorganisation der faschistischen MHP), politische Lobbyorganisationen wie die „Union Europäisch-Türkischer Demokraten“ (UETD) oder religiöse Organisationen wie die „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“ (DITIB) organisieren sich in und um die Universität Durch deutsche Medien (wie die Daily Sabah, Deutsch Türkische Nachrichten) und soziale Netzwerke mobilisieren die Gruppen gegen Veranstaltungen. Die Polizei nutzt oftmals Sicherheitsbedenken als Vorwand, um die AKP-Lobby tatkräftig zu unterstützen und Veranstaltungen zu verbieten, die Lösungsansätze für eine friedliche Lösung im Nahen Osten diskutieren.

Wir fordern die Universitäten auf ihrer Rolle als autonomer Ort der freiheitlichen Bildung gerecht zu werden. Das Einknicken der Universitätsleitungen von möglichen Sicherheitsbedenken der Polizei spielt klar einer zunehmenden Faschisierung der Türkei in die Hände und fördert nicht den Diskurs der Völker. Wir fordern die staatlichen Institutionen, wie die Polizei, im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen in der Türkei (Verhaftung von Menschenrechtlern, Einschränkung der Pressefreiheit im Cumhuriyet Prozess,..) dazu auf dem Artikel 5 zur freien Meinungsäußerung gerecht zu werden und Position gegen die zunehmende Eskalation in der Türkei zu beziehen.

Um auf die zunehmende Faschisierung und Eskalation in der Türkei aufmerksam zu machen, werden wir bundesweit eine Vielzahl von Parteien ansprechen. Somit fordern wir auch die politischen Entscheidungsträger dazu auf Stellung zu der zunehmenden Repression gegen unseren Verband an den Universitäten zu beziehen.

Gerne sind wir bereit weitere Rückfragen zu beantworten und Interviews zu geben.”